Höhere Schule im Spital – Salzburg (Austria)

schule7 Jahre Höhere Schule im Spital Salzburg

Die Höhere Schule im Spital kann schon ein kleines Jubiläum feiern. Bereits fünf Jahre gibt es diese Institution, die Schülerinnen und Schüler, die längere Krankenhausaufenthalte vor sich haben, schulisch unterstützt.

Das Projekt Höhere Schule im Spital lebt von der intensiven Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, des medizinischen Personals und natürlich den Lehrerinnen und Lehrern frei nach dem Motto des diesjährigen Kongresses der europäischen Vereinigung der Spitalspädagoginnen und –pädagogen HOPE: „Together for a better education of sick children and adolescents.“

HIS – Höhere Schule im Spital Salzburg oder:  HIS wie „Herz im Schulalltag“

Wenn ich die HIS kurz beschreiben sollte, so würde ich sie als eine besondere Schule für Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen unter besonderen Bedingungen mit einer besonderen Führung bezeichnen.

Eine besondere Schule deshalb, weil der Unterricht nicht in einem Klassenzimmer stattfindet, sondern in Krankenzimmern, in Aufenthaltsräumen von Krankenhäusern, in Räumlichkeiten der Heilstättenschule oder zu Hause bei den jeweiligen Kindern. Ein Unterricht ohne Schultafel und ohne Klassenverband.

Mit der Bezeichnung „Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen“ meine ich Schüler, denen durch längere Krankenhausaufenthalte ein normaler Schulalltag nicht möglich ist. Unfälle, schwere Erkrankungen wie Krebs,  Komplikationen nach Operationen sowie langwierige  psychische  Erkrankungen machen einen regulären Schulbesuch unmöglich, und dennoch ist gerade ein Stückchen „Normalität“ in dieser schweren Zeit unglaublich wichtig. Hier ist nicht Mitleid gefragt, sondern neben der Wissensvermittlung im jeweiligen Fachgebiet  ist es auch eine wichtige Aufgabe, eine Abwechslung in den schwierigen Krankenhausalltag zu bringen und so zu einer „mens sana“ beizutragen, die gemeinsam mit den Therapien im Krankenhaus als gemeinsames Ziel  einen „corpus sanum“ hat.

Unter besonderen Bedingungen heißt, dass die Schüler mitunter während des Unterrichts im Krankenbett liegen oder am Tropf hängen oder unter dem Einfluss von Medikamenten stehen. Der Unterricht muss deshalb der jeweiligen Situation angepasst sein, und es können sich therapiebedingt ganz kurzfristige Änderungen der Unterrichtszeit und der Dauer der jeweiligen Unterrichtseinheit ergeben. Auch die Konzentrationsfähigkeit der Schüler kann von Stunde zu Stunde sehr unterschiedlich sein.

Die besondere Führung ist durch einen Direktor gegeben, der als ein bescheidener und umsichtiger Organisator im Hintergrund, diese nicht im konventionellen Sinne zu führenden Schule leitet. Er muss für jeden Schüler neue, individuelle, manchmal kreative, optimal der Situation des kranken Schülers angepasste Lösungen  suchen und finden. Sein guter Geist ist trotz seiner Zurückhaltung stets in dieser seiner Schule spürbar.

Ich habe in den letzten Jahren verschiedene Schüler der HIS in Italienisch unterrichten dürfen. Dürfen deshalb, weil auch für den Lehrer der Unterricht an der HIS eine große Bereicherung darstellen kann. Durch die besondere Situation entsteht eine besondere Beziehung zu den Schülern.  Gerade diese emotionale Seite des Lernens (Lernen mit Herz und Hirn), die auch in der neuerdings viel zitierten Studie von John Hattie als essentiell für einen Lernerfolg gilt, ermöglicht es, in diesen schwierigen Situationen oft trotz massiver Einschränkungen durch Medikamente und Umstände, gute Fortschritte und schöne Lernerfolge zu erzielen. Der Eifer und Fleiß mancher HIS Schüler ist trotz oder gerade wegen ihrer Situation oft bewundernswert. Die Aussicht, nach dem Verlassen des Krankenhauses in den normalen Schulalltag eintreten zu können und im Unterricht trotz langer Abwesenheit mitzukommen, ist für viele HIS Schüler eine sehr starke Lernmotivation. Eine Motivation, mit der man als Lehrer im „normalen“ Schulbetrieb nicht immer rechnen kann.

Beeindruckend ist auch manchmal, mit welcher Selbstverständlichkeit die jungen Menschen mit ihren Krankheiten umgehen und mit welchen  durch die Krankheit gereiften Persönlichkeiten man es mitunter zu tun hat. Es gibt Jugendliche, von deren innerer Größe und innerer Kraft man auch als Erwachsener viel lernen kann.

Durch mein Fach Italienisch durfte ich in den tristen Krankenhausalltag auch ein bisschen italienische Lebensfreude hineinbringen. Wenn man „Freude spendet, empfängt man aber auch Freude“ und zu sehen, dass lernende kranke Jugendliche auch Spaß am Lernen haben, weil sie von ihren Sorgen abgelenkt sind, erfüllt einen auch selbst. Der schönste Moment ist für mich und auch für alle anderen Lehrer, die an der HIS arbeiten, aber immer, wenn die erkrankten Jugendlichen dann endlich das Krankenhaus verlassen dürfen und wieder in ihr „normales Leben“ und in ihre „normale Schule“ zurückkehren dürfen. Wenn sie ihr Ziel, dass sie im Unterricht an der HIS verfolgt haben, nämlich trotz langer Abwesenheit in der Schule wieder mitzukommen und kein Schuljahr zu verlieren, erreicht haben, so erfüllt das auch ihre HIS Lehrer mit unglaublicher Freude.

Und so ist die Höhere Schule im Spital eine Schule mit Herz, die sowohl Schüler als auch Lehrer bereichert!

Autorin: Mag. Petra Huber (AHS-Lehrerin für Italienisch und Musikerziehung und Lehrerin an der Höheren Schule im Spital Salzburg)